Menschen, die mich inspirieren

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) – Durch Schopenhauer entdeckte ich die Welt der Philosophie. Der Ansatz, die großangelegten und unversöhnt sich gegenüberstehenden Weltentwürfe „Materialismus“und „Idealismus“ erstmals zusammen zu denken, hat mich als junger Erwachsener so richtig in den Bann gezogen. Ich lag tage- und nächtelang im Bett und tat nichts anderes als Schopenhauers zweibändiges Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zu verschlingen. Die Kraft und Ausdrucksfähigkeit seiner Sprache ist legendär – Schopenhauer darf als erster wirklich guter Schriftsteller unter den Philosophen gelten – und entfaltete eine geradezu magisch-anziehende Wirkung auf mich.

Visionär auch, lange vor Sigmund Freud, das Bild vom blinden Willen, der – die sehende aber wirkungslose Vernunft auf den Schultern – als eigentlicher Antreiber alles Lebendigen seine entsprechende Geltung verlangte.

Und für mich wahrlich augenöffnend seine Beschreibung eines Bergerlebnisses als Offenbarung (in: Rüdiger Safranski, Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie): Die Selbstvergessenheit der versunkenen Betrachtung auf das weltliche Ameisengetümmel vom hohen Berg herab. Ganz großes Philosophen-Gänsehaut-Kino.

Leider war er entgegen der erhabenen Anmutung dieser Berg-Szene ansonsten eher misanthropisch und frauenfeindlich unterwegs. Er war nur gut zu seinen Hund „Butz“ (siehe Bild oben).


Hedy GerstungHedy hat mir mal sehr geholfen, als ich eine zeit lang etwas schlapp überm Zaun hing. Wir nutzten unter anderem Trance-Geschichten mit farbigen Lichtkristallen und anderen Visualisierungen. Damals ging ich inneren Bildern gegenüber eher in Abwehrhaltung, heute bin ich dafür umso mehr Anhänger des hypno-systemischen Ansatzes. Auf das das Unwillkürliche wirke!


Tom R. Schulz – Gerne auch 5RhythmenTom genannt. Durch seine Musik, basierend auf den „Waves“ von Gabrielle Roth und die Kraft des Tanzens erfuhr ich radikal, das Denken allein nicht seligmachend ist.

Gabrielle Roth - The Wave Dance

Lotte Lottmann und Britta Daniel – Bei den Spielern geht es um KRAWUMMS. Ihr Ansatz: Spiele Improvisations-Theater, scheiter heiter und sage noch extra-laut „Au-Ja“ dazu. Abwechslungsreich, erfrischend, spontan und mit eingebautem Herzscheinwerfer. Mehr muss man nicht sagen…


Veronika Freitag -– Bei Veronika praktiziert man Yoga, klingt banal, ist es aber nicht. Ihr Schwerpunkt liegt im Anusara® Yoga, einem modernen Hatha-Yoga, welches für seine genaue Ausrichtung und seine zugleich herzöffnende Inspiration bekannt ist. Durch diese Kombination, ergänzt durch individuelle Einstiegsgeschichten in jeder Session(!), gelingt es in wundervoller Weise, Kraft aufzubauen, den Flow zu genießen und einengende Blockaden zu lösen. Mit und durch Veronika durfte ich einen Hauch der tiefliegenden Weisheit in der Bhagavad Gita und dem gesamten tantrischen System erspüren.

Noch in Erinnerung: Ganz kurz vor dem Beginn eines Meditations-Wochenendes platzte mir am Auto der Reifen. Ich kam trotzdem, wenn auch etwas abgehetzt, pünktlich und es war – entgegen meiner Erwartung – wunderbar entspannend. Wirksamkeitserprobung in Reinform!


Sylvia Kolk – Im Stadt-Praxis-Konzept von Sylvia lernt man, im Sturm zu segeln (passender Buchtipp: Segeln im Sturm) und darin den meditativen Alltag zu entdecken. Damit können Meditations-Praktiken konfessionsfrei erlebt und ganz bewusst in den Lebens-Alltag integriert werden. Dieser ganz besondere Ansatz der Selbstentwicklung und Bewusstseinsforschung hat mir den Weg in eine regelmäßige meditative Praxis eröffnet. Unvergessen: Nach einer Meditations-Session musste ich nochmal umkehren, weil ich vor lauter Seligkeit meine Tasche vergessen hatte, wir sahen uns noch kurz und Sylvia drückte mir einfach ein Buch in die Hand: „Bitteschön, für dich.“


Markus Wittwer – Durch Markus habe ich die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg kennen und schätzen gelernt. Ich sass im Jahre 2010 in einem Seminar zum Thema „Kommunikation & Konflikte in agilen Projekten“, als Markus uns das Modell und die Haltung dazu vorstellte. Es herrschte Totenstille und mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Auf die eigene Haltung kommt es an und auf die Beantwortung der Frage: Wer möchte ich sein und worauf richte ich meine Aufmerksamkeit! Grandios transformierend damals. Das dieses Konzept als „wertschätzende Kommunikation“ heute auch im Business-Kontext salonfähig ist, erfüllt mich mit tiefer Freude.


Stefanie Grau – Steffi leitet das Kindertheater „Zeppelin auf dem Hoheluftschiff“ am Isebekkanal. Zusammen mit Steffi durfte ich erleben, was es heißt ein komplettes Theaterstück zu konzipieren und auf die Bühne zu bringen. Es handelte sich ein musikalisches Schurkenstück von Ad de Bont: „Die Tochter der Ganovenkönigs“. Wir waren bis auf einen professionellen Spieler eher eine Laiengruppe und es hat mir im wahrsten Sinne des Wortes alles abverlangt. Unvergessliche Überwindungserfahrungen und innere Zerreißproben, die aber durch die Aufführungen selbst später mehr als entlohnt worden sind. Wie es dazu kam? Es hing ein Aushang „Darsteller gesucht“ auf dem Theaterschiff und ich fühlte mich sofort angesprochen, ohne zu ahnen, was das genau bedeutete und was da alles auf mich zukommen würde. Im Nachhinein würde ich sagen: Persönlichkeitsentwicklung inklusive Angstüberwindung durch Bühnenkonfrontation in bester hoch-theatralischer Ausprägung.

Tochter des Ganovenkönigs clip 3

Brad Warner – Die Zuschreibung „unorthodox“ ist wohl bei niemanden treffender als bei Brad Warner. Er war Bassist von Zero Defex, einer Hardcore-Punk-Band in den USA. Dann ging er nach Japan, um B-Movie-Monsterfilme wie „Godzilla“ oder „Ultraman“ zu animieren.

Inspiriert von Meister Yoda aus der Star Wars-Saga beginnt er schließlich, Zen-Meditation zu üben und bringt es zum ordinierten Zen-Meister. Natürlich nutzte ich – als völliger Laie und ohne jeglichen Zen-Bezug – die Chance für ein Wochenend-Retreat in Hamburg und mir hat es zum wiederholten Male gezeigt, das meine Vor-Urteile, was das meditieren anging, völlig unangemessen waren. Schöne neue Einsichten mit Hardcore-Zen.


Nina Kaetzler – Mit Nina erprobten wir als Theatergruppe für Erwachsene, eigene Stücke zu kreieren und aufzuführen. Und ich erinnere mich gerne an tolle Hinterbühnenunterstützung, kraftvoll-verspielte Proben und psychedelisch anmutende Aufführungen mit psychologischem Tiefgang in der „Motte“. Eine tolle Zeit, in der ich entdeckte, wie gewinnbringend es sein kann, sich selbst als Persönlichkeit komplett in den Entstehungsprozess einzubringen.


Ilan Stephani Ilan wird beschrieben als eine Somatische Mystikerin, sprudelnde Ideen-Quelle und liebevolle kulturelle Störfrequenz. Ich schätzte Ilans Klarheit, Direktheit und sprachliche Eloquenz beim Erklären von so illustren und komplexen Themen wie Embodiment, Trauma, Sexualität und Mystik. Sie hat einen eigenen Youtube-Kanal.


Nadja Obenaus – Mit und durch Nadja habe ich erleben dürfen, wie man als Coach meta-perspektivisch denkt, richtig gut beobachtet und knackige Hypothesen dazu entwickelt. Man kann sagen: Erst durch Nadja wurde ich zu einem richtigem Coach. Dank ihrer kraftvoll-dynamischen Art, ihrer tiefen analytischen Klarheit und ihren immer wertschätzend angelegten Inspirationen ist es mir gelungen, mich in meinen Verhalten, meinen Restriktionen und Glaubenssätzen erstmals richtig zu sehen und zu verstehen. Daraus haben sich wundervolle neue Möglichkeiten für mich ergeben.


Shirley Andrews & Mauricio Gúzman Salinas – Diese beiden wundervollen Theatermenschen haben es geschafft, mit einer Amateurtheater-Gruppe ein Stück auf die Beine zustellen, das es ins sich hat und uns wahrlich alles abverlangte. Zu Corona-Zeiten erdacht und initiiert, konnte es im Oktober 2022 realisiert werden: „Eine Gruppe von SchauspielerInnen aus der Amateurtheater-Szene Hamburgs und die Erfahrung der “Downstage Theatre Company” in der künstlerischen Leitung als Multiplikator der spanischen Kultur und Sprache in der Welt, vereinen sich in einem Projekt. Mit “Die Invasoren” von Egon Wolff wollen wir nicht nur die lateinamerikanische dramatische Literatur dem deutschsprachigen Publikum näher bringen, sondern auch die großen globalen Ungleichheiten in unseren Gesellschaften betonen und dazu einladen, über unsere eigene Verantwortung im Moment nachzudenken, um eine gerechtere Zukunft aufzubauen.“


Beppo Strassenkehrer – Zu guter Letzt mein persönlicher Lieblings-Mensch aus der Geschichte „Momo“ von Michael Ende. Beppo Strassenkehrer ist so ein typischer Langsam-Denker, der die ungewöhnliche Eigenschaft hat, Fragen, die man ihm gestellt hat, manchmal erst Tage später zu beantworten. Er überlegt oft so lange, dass die meisten Menschen schon vergessen haben, was sie eigentlich von ihm wissen wollten. Ansonsten kehrt er geduldig Strassen. Im Video erklärt er Momo, was dabei wichtig ist:

Beppo Strassenkehrer erklärt Momo was wichtig ist

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